Beim Atmen, wie wir es durchführen, kann man immer wieder tiefgreifende und existenzielle Erfahrungen machen. Mancher wird regelrecht "süchtig" danach...

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http://www.naturheilmagazin.de/ratgeber/gesunderhaltung/verbundener-atem.html

"Der verbundene Atem"

Dr. med. Ruediger Dahlke ist bekannt als Arzt und Buch-Autor. Seit 1978 ist er als Psychotherapeut, Fastenarzt und Seminarleiter tätig. Seit 1989 leitet er das Heil-Kunde-Zentrum für Psychotherapie, ganzheitliche Medizin und Beratung in D-84381 Johanniskirchen zusammen mit seiner Frau Margit. Er hält Seminare und Ausbildungen in Psychosomatik (Archetypische Medizin), Atem- und Psychotherapie, Fasten und Bilder-Meditation, Wassertherapie. Man kennt ihn aus Vorträgen und Firmen-Trainings im deutschsprachigen Raum und in Italien.

Autor: Dr. med. Ruediger Dahlke, Arzt Johanniskirchen

DIE THEMEN

· Atem
· Geistige und sprachliche Bezüge
· Körperlichkeit
· Transzendenz
· Atemlos
· Anatomie
· Atemkreislauf
· Atem und Sprache
· Die ersten Atemzüge
· Therapeutische Hilfe durch den Atem
· Stau oder der Alltag als Übung
· Verbundener Atem
· Seele, Körper, Geist
· Lernen in Höhen und Tiefen
· Neue Erfahrungen
· Umgang lernen
· Befreiung
· Literatur und Links

Einleitung der Redaktion

Der Autor und Arzt Ruediger Dahlke wird von Seiten der Medien und der Öffentlichkeit den Fachbereichen der Medizin, der Psychosomatik und der sog. Esoterik zugeordnet. Dieser Begriff wird in medizinischen Fachkreisen aber meist negativ verwendet. Denn der Markt der „Heilungswilligen“ ist in der Zwischenzeit recht unübersichtlich geworden und viele meinen, sie könnten auch ohne jegliche Qualifikation heilen. So gesehen kann man natürlich nicht von Esoterik sprechen, wenn man über Ruediger Dahlke redet. Jedoch geht er selbst ganz selbstverständlich mit Begriffen wie „Wiedergeburt“, „Schattenwelten“ und „Transzendenz“ um (siehe auch unten: Zur Person Ruediger Dahlke).
Als Internetportal für Naturheilkunde wollen wir wertfrei veröffentlichen, was uns inhaltlich überzeugt. Esoterik, im ursprünglichen Sinne bedeutet die Lehre oder die Wissenschaft des Geheimen. Umgangssprachlich versteht man heutzutage darunter eher Strömungen, die eine andere Form der westlichen Weltanschauung pflegen. Ansichten, „die die Existenz von Phänomenen außerhalb des erfahrungswissenschaftlich (Empirie), messbaren formulieren und sowohl naturwissenschaftliche als auch konfessionell religiöse Betrachtungsweisen als nicht ausreichend ansehen, um die Welt vollständig erklären zu können.“ Das ist doch sehr schön formuliert und für uns heißt das nichts anderes, als dass Naturwissenschaft und Esoterik zwar als Gegensätze gelten, es für das eigene Bewusstsein aber unserer Meinung nach nichts hilfreicher sein kann, als beide Bereiche vorurteilsfrei zu betrachten.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Atem
Alles Lebendige atmet und steht dabei ständig in Austausch miteinander, nur die Frequenz des Atems unterliegt einer großen Bandbreite. Während manche Wale und Wasserschildkröten die Luft über eine Stunde anhalten können, gelingt uns das lediglich im Minutenbereich. Unserer Atmung und der der Tiere, die unter Sauerstoffverbrauch die lebensnotwendigen Verbrennungsprozesse unterhalten, steht die pflanzliche Atmung gegenüber, die Sauerstoff nicht verbraucht, sondern ihn im Gegenteil mittels Photosynthese hervor bringt. Sauerstoffverbrauch und –synthese ergänzen sich in wundervoller Weise. Pflanzen und Tiere beziehungsweise Menschen sind in einer Art Atemkreis miteinander verbunden und aufeinander angewiesen.

Geistige und sprachliche Bezüge
Würden wir aufhören zu atmen, fielen wir aus der polaren Welt der Gegensätze und das Leben würde enden. In der Genesis wird berichtet, wie Gott uns das Leben über seinen Odem einhaucht und damit unserer unsterblichen Seele in dieser Welt ein Heim schafft – wenn auch nur auf Zeit. Sobald die Seele es im Tod wieder verlässt, hört sogleich auch der Atem auf. In alten Zeiten hielt man deshalb Gestorbenen einen Spiegel unter die Nase, um den Tod sicher zu bestimmen. Wenn der Ausatem den Spiegel nicht mehr beschlagen ließ, war die Sache klar und die Seele galt als endgültig ausgeflogen. Die Griechen hatten wohl aus diesem Grund nur ein einziges Wort für Hauch und Seele: Psyche.
Das hinduistische „Atman“ lässt noch das deutsche Wort Atem anklingen, und Hindus sprechen bis heute von Mahatma, was gleichermaßen große Seele und großer Atem meint und als Ehrentitel an ausgezeichnete Menschen wie Gandhi verliehen wird. Auch Abendländer holen sich aber noch mit der „Inspiration“, wörtlich der Einatmung, neben Sauerstoff auch Zugang zu höherer Einsicht.
Der Atem ist also Verbindungsglied von Körper und Seele, sein Einfluss reicht aber weit darüber hinaus bis zur göttlichen Sphäre der Einheit. Er ist der einzigartige Garant der Beziehung zwischen Polarität und Einheit.

Körperlichkeit
Als einzige Organfunktion, die gleichermaßen willentlich wie auch unbewusst abläuft, vermittelt die Atmung in mancher Hinsicht zwischen den Welten. Die Lungenflügel machen uns so nicht nur zu geflügelten Wesen, sondern verbinden auch auf ihre körperliche Art die linke, archetypisch weibliche mit der rechten archetypisch männlichen Körperhälfte. Über die Zwerchfellbewegung werden sogar auch Oberkörper und Unterleib verbunden. Dadurch sorgt der Atem in einem fort für sanften Massagedruck auf die Verdauungsorgane. Die rhythmische Atembewegung ist also auch für lebendige und problemlose Verdauung notwendig. Hier kann schon der vielfältige Wert bewusster Atemschulung deutlich werden.

Transzendenz
Der Atem als Bindeglied zur Einheit und damit zu Gott kann lediglich in Momenten transzendentaler Erfahrung, wenn die Grenzen von Zeit und Raum überwunden sind und der Mensch reines Sein erlebt, ganz zum Stillstand kommen, ohne dass der Tod eintritt. Die Betroffenen gelangen in die Welt jenseits des Todes, wo die vertrauten Gesetze ihre Wirksamkeit einbüßen und unbeschreibliche Glückseligkeit herrscht.
Entwickelte Menschen haben Experimente über sich ergehen lassen, um solche Zustände zu erforschen, und es zeigte sich, dass sie in der Ekstase der Transzendenz ohne Atem auskommen können. Über Ein- und Ausatem bindet uns die Atmung also an die polare Welt der Gegensätze, hört sie auf, hört auch die Welt der Gegensätze für uns auf, und es beginnt die Dimension religiösen Erlebens.

Atemlos
Hier setzen Atemübungen wie das Pranayama an, die nach östlicher Anschauung über die reine Versorgung mit Sauerstoff und damit Brennstoff weit hinaus reichen und die Fähigkeit haben, den Organismus mit der feinstofflichen Lebensenergie Prana zu versorgen. Auf einer sehr hohen Entwicklungsstufe soll es möglich sein, allein von Prana zu leben. Immerhin gibt es neben zahlreichen Beispielen aus dem Osten mit Therese Neumann von Konnersreuth auch im Westen ein berühmtes Beispiel für einen Menschen, der über Jahrzehnte ausschließlich von dieser Energiequelle lebte.

Anatomie
Aber auch gewöhnlichen Sterblichen kann die moderne medizinische Wissenschaft einige Atemgeheimnisse intellektuell offenbaren. Lange nach Paracelsus lässt sich heute dessen Analogie-Gleichung „Mikrokosmos Mensch = Makrokosmos Erde“ am Beispiel der Lungen von Mensch und Welt belegen. In ihrer symbolischen Bedeutung wie auch ihrer Funktion entsprechen unsere inneren Lungenbäume den äußeren grünen Bäumen. Der menschliche Bronchialbaum steht lediglich auf dem Kopf verglichen mit den Bäumen der Natur. Die Luftröhre als Stamm teilt sich in der Tiefe der Brust in die beiden Hauptstämme des Brochialbaumes, dessen Bronchialäste sich wie bei äußeren Bäumen bis in die feinsten Verzweigungen der Bronchien aufgliedern, um schließlich in filigranen Bronchiolen zu enden. Die Blätter des grünen Baumes entsprechen den Lungenbläschen oder Alveolen bis ins anatomische Detail und auch in der Funktion. Beide arbeiten mit der Methode der Oberflächenvergrößerung und holen Sauerstoff herein im Austausch gegen Kohlendioxid. Die Lungenbläschen beider Lungen in einer Ebene ausgebreitet, ergäbe die Fläche eines Fußballfeldes, die Blätter eines ausgewachsenen Baumes stehen dem kaum nach.

Atemkreislauf
Die wissenschaftliche Tatsache dieses Atemkreises, der alles organische Leben auf unserem Heimatplaneten verbindet, belegt, dass östliche Weisheitslehren recht haben, die sagen, alles Leben stünde miteinander in ständigem Austausch und Kontakt. Wir sitzen mit allen anderen Lebewesen im selben Boot und es schwimmt auf dem Sauerstoffmeer, das uns die grüne Vegetation der Pflanzen zur Verfügung stellt. In dieser Hinsicht kann der Atem Respekt und Achtung lehren vor dem ebenso verbindlichen, wie empfindlichen Gewebe des Lebens.
Neben dem lebensnotwendigen Gasaustausch hängt auch der zwischenmenschliche Kontakt über die Sprache am Atem, ist sie doch nichts anderes als die Modulation des Atemstromes. Wir teilen uns einander über Schwingungsveränderungen der Atemluft mit. Thema der Lunge ist also auf allen Ebenen Kommunikation und Kontakt.

Atem und Sprache
Der Fluss unseres Atems verrät im Zusammenhang mit der Sprache auch viel über unsere seelische Lebensstimmung, was wenig verwundert, immerhin ist uns die Seele einst über den Atem eingehaucht worden. Moderne so genannte Voice-analyser sagen auf diesem Weg einiges über den Besitzer einer Stimme aus. Angst entlarvt sich besonders deutlich in der Stimme, wie aber auch im Atem, und eigentlich braucht es dazu gar kein technisches Gerät. Nur ein angstfreier Mensch kann frei und entspannt durchatmen und sprechen. Anderenfalls kommt der Atem eher gepresst und mit Widerstand heraus. Hier zeigt sich natürlich auch der Widerstand, den man in der Kommunikation und im Leben erlebt. Beispiele: Wenn „der Atem stockt“, liegen Angst und Schrecken nicht fern. Wer nicht dieselbe Luft mit jemand anderem teilen und damit atmen will, hat einer Aversion gegen den anderen und oft auch Angst vor ihm. Wem es eng wird im Leben, dem fließt auch der Atem nicht mehr frei und harmonisch. Ihm „liegt etwas auf der Seele“, der Psyche, und (be-)drückt sie, so wie es auch den Hauch des Atems behindert.

Die ersten Atemzüge
Obendrein ist der Beginn des Atems in der polaren Welt untrennbar mit der Enge des Geburtskanals verbunden. Der erste Atemzug war für jene von uns, die das Licht der Welt erblickten, bevor Frederic Leboyer (geboren 1918, Frauenarzt und Geburtshelfer in Paris. Durch eine Indienreise erhielt er wesentliche Anregungen für eine neue Sichtweise von Geburt und Mutterschaft. Mit seinen Büchern und Vorträgen löste er eine weltweite Bewegung für die "sanfte Geburt" aus. Heute lebt Leboyer als Schriftsteller in London. Anmerk. d. Red.) die Geburt von vielen beängstigenden Zwängen und Schikanen befreite, eine schreckliche Angsterfahrung. Kaum der Enge des Geburtskanals entronnen, wurde uns die noch pulsierende Nabelschnur gekappt, was als existentiell bedrohliche Erstickungssituation empfunden wird. Die Lungenflügel mussten sich unter der Panik schrecklicher Erstickungsangst schlagartig entfalten, was einen brennenden Schmerz verursachte. Das Gefühl war in der Regel so entsetzlich, dass viele der auf diesem Weg zur Welt Gekommenen zeitlebens nie mehr einen solch tiefen Atemzug wagten. Ergebnis ist ein flacher, alles andere als optimaler Atem. Damit bleiben wir weit hinter unseren Möglichkeiten zurück und bekommen nur einen geringen Teil jener Energie, die uns eigentlich zustünde.

Therapeutische Hilfe durch den Atem
Hier wären natürlich therapeutische Möglichkeiten gefragt, die zur Bewältigung eines ungelösten Geburtstraumas beitragen können. Tatsächlich kann der Atem hier Wesentliches bieten. Aber auch wer es „nur“ schafft, in einer Angstsituation bewusst beim Atem zu bleiben und ihn sanft und harmonisch weiter fließen zu lassen, erlebt schon eine sehr wirksame Angsttherapie. Und der Atem ist natürlich immer dabei - in jeder Situation und auch im größten Stress. Insofern könnte man sich auf die nächste Erfahrung mit Angst schon freuen und bräuchte nur ganz konsequent beim Atem zu bleiben mit den Gedanken. Das ist natürlich nicht leicht, da ja die Angst auch ihre Faszination hat und einen mitzureißen droht. Wer es aber schafft, wird seine Position im Leben auf diesem einfachen Weg verändern und mit der Zeit viele kleine und mittlere Alltagsängste auf diese Weise lösen.

Stau oder der Alltag als Übung
Bei so banalen Problemen, wie dem Steckenbleiben im Stau kann ich mich ärgern oder einfach den eigenen Atem beobachten. Die Erfahrung zeigt, dass die wertungsfreie Beobachtung des ganz normalen Atemflusses den Ärger rasch auflöst und eine wache Stimmung von Bewusstheit hinterlässt. So könnte sogar ein Stau Anlass zu einer hilfreichen Übung auf dem Entwicklungsweg werden. Und was gäbe es schon Wichtigeres im Stau zu tun. Solche und ähnliche Übungen stammen aus der Zen-Tradition, deren eine Richtung, Soto-Zen, vor allem den Atem beobachten lässt, so wie er ganz von selbst und ohne unsere Beeinflussung fließt. Wenn man in einem Zen-Sesshin den ganzen Tag nichts anderes tut, als die eigenen Atemzüge zu beobachten oder auch zu zählen – immer wieder bis 10 – kann das offenbar das Bewusstsein verändern, wie eine lange Tradition eindrucksvoll belegt. (Ein Sesshin ist eine Periode der intensiven Meditation in einem Zen Kloster; Anmerk. der Red.). Aber natürlich liegt das Geheimnis aller Entwicklung weniger in Kursen, als im Alltag und da wäre die bewusste Atembeobachtung eine Art von Alltags-Zen. Zugleich ergibt sich hier die einfachste und eine der hilfreichsten Meditationstechniken. Sie braucht keine aufwendigen Einweihungen, keine Zeremonien, in denen einem Mantren oder andere spezielle Übungen übertragen werden. Atem-Beobachtung ist eine der ältesten und wirksamsten Übungen zugleich und natürlich völlig kostenlos.

Wirksam macht sie, dass sie in so vielen so genannten Stresssituationen helfen kann, wie etwa bei Einschlafproblemen. Den meisten Menschen fällt es dabei leichter, die Atemzüge bewusst zu begleiten oder zu zählen, als die berühmten Schäfchenwolken an einem imaginären Sommerhimmel. Hinzu kommt der Effekt, dass die dadurch eintretende bewusst wahrgenommene Entspannung zusätzlich Stress und Anspannung lösen hilft.

Hier ergibt sich noch eine Differenzierungsmöglichkeit, denn wer den Ausatemstrom beobachtet und zählt, erlebt einen zusätzlich spürbaren Entspannungseffekt, wer dagegen den Einatem beobachtet, wird dadurch energiegeladener und wacher. Am deutlichsten zeigt sich dieser Effekt beim Einatemseufzer, der in die Spannung führt und beim Ausatemseufzer, der Loslassen ermöglicht.

Verbundener Atem
Was die Lösung eines Geburtstraumas angeht, greifen solche Übungen natürlich zu kurz, wobei sie das Terrain auch in dieser Hinsicht vorbereiten helfen können. Aber wer solch große Lebensprobleme angehen will, kann durch die Begegnung mit dem eigenen vollen Atem, wie sie die Therapie des verbundenen Atems ermöglicht, in beeindruckender Weise Hilfe finden. Nebenbei wird das zu unglaublichen Energiephänomenen führen, die zeigen, dass wir als Menschen eigentlich ganz anders gemeint sind, nämlich als vor Energie strotzende vitale Geschöpfe, die aus einem Überfluss an Lebensenergie leben und selbiges genießen.
Bei dieser Atemtechnik wird nicht nur bewusst, sondern obendrein ohne Unterbrechung geatmet, sodass sich Ein- und Ausatem zu einer Art Atemkreis verbindet.
Auf diese Weise wird viel mehr Sauerstoff, beziehungsweise Prana, hereingeholt und deutlich mehr Kohlendioxid abgeatmet als üblich. Das Ergebnis ist eine einzigartige Überschwemmung des ganzen Organismus mit Energie. Solcher Überfluss wird sich vor allem in einem fließenden und vibrierenden Gefühl von Lebendigkeit in allen möglichen Körperregionen zeigen. Er kann sich aber auch darin äußern, dass der ungewohnt mächtige Energiestrom an Stellen mit Energieblockaden brandet und hier zu unangenehmen Empfindungen von Enge und Verkrampfung führt. Lässt man in solchen Situationen jedoch den Einatemstrom beständig weiter fließen, wird seine Kraft immer mehr zunehmen, sodass er schließlich die Barrieren mit sich wegspülen kann. Das spiegelt sich auf der seelischen Ebene in Erfahrungen von Befreiung und Erleichterung und kann in spiritueller Hinsicht bis in transzendente Bereiche führen. Keine andere Therapieform verbessert, nach meinen Erfahrungen, so rasch mit relativ geringem Aufwand die energetische Situation so nachhaltig wie der verbundene Atem. Der Atem wird hier zum Königsweg. Aber eben auch Angst kann sich auf diese Weise eindrucksvoll lösen.

Körper, Seele, Geist
Solch befreienden Erfahrungen im seelischen Bereich entsprechen auf der körperlichen Ebene ähnlich lösende Erlebnisse, die sich in Wärmeentwicklung und einem Gefühl des Fließens zeigen. Knoten, die energetisch aufweichen, verschwinden erfahrungsgemäß auch bald körperlich und können seelisch leichter losgelassen werden.
Auf spiritueller Ebene ergeben sich mit dieser Technik des verbundenen Atems gar nicht so selten Gipfelerlebnisse und Lichterfahrungen. Solch transzendenten Erlebnissen kann auf der körperlichen Ebene eine verblüffend lange Atempause entsprechen, was nach den eingangs erwähnten Zusammenhängen wenig verwundern mag, jedoch von außen betrachtet gewöhnungsbedürftig ist.
Für die Atmenden sind solche Momente unbeschreiblich und entziehen sich unsere an polare Sinneswahrnehmung gebundene, sprachlichen Möglichkeiten. Was dem äußeren Betreuer wie eine Minute erscheint, kann für den die Grenzen der bisherigen Wahrnehmung Überschreitenden eine zeitlose Erfahrung von Einheit und Unendlichkeit sein.

Lernen mit Höhen und Tiefen
Die ersten Erfahrungen mit dieser Art von Atemtherapie bedürfen der Führung durch einen versierten Begleiter. Nach einigen Sitzungen sind aber viele in der Lage auch selbständig auf Atemreise mit dem „Verbundenen Atem“ zu gehen.
Im Gegensatz zur Tiefenpsychologie, die sich der mythologischen Bilder der Antike bedient, um ihre Erfahrungen mit Urbildern oder Archetypen zu illustrieren, entspräche dem verbundenen Atem in der Analogie eher eine Höhenpsychologie, um die himmlischen Sphären letzter Lebensziele zu bebildern.
Insofern ist diese Atemmethode eine ideale Ergänzung für Psychotherapien wie die Reinkarnationstherapie, wo Schatten erfahrbar und dessen Thema verarbeitet wird. Hier brauchen wir als Gegengewicht die Leichtigkeit des verbundenen Atems, der uns in die lichten Höhen unserer eigentlichen Bestimmung führen kann.

Neue Erfahrungen
In Energiesystemen, die nicht mehr oder nur noch selten genutzt wurden, wirkt ein erheblicher Überfluss an Lebenskraft beziehungsweise Prana oft wie eine Revolution, die zu dramatischen Erlebnissen der Einsicht führen kann. In anderen Fällen bewirken die Energiewellen eine Art sanfte Reformation und Neuordnung der Energieverhältnisse und parallel der seelischen Erfahrungen. Kaum jemand aber bleibt vom Atem und seiner Energie gänzlich unberührt. Auch ausgewiesene Realisten und sogar Materialisten sind nach wenigen Minuten verbundenen Atems „in anderen Umständen“ und nach einer Stunde zumeist in Welten, wo Energien und Seelenbilder bestimmend werden und den Intellekt in seiner Bedeutung zurückdrängen.

Umgang lernen
Rationale Erklärungen, wie sie die wissenschaftliche Forschung anbietet, reichen in diesem Zusammenhang allerdings sowieso nicht sehr weit, da die Schulmedizin solche Erfahrungen meist schon im Anfangsstadium beendet. Sobald sich die ersten Anzeichen von Verkrampfungen zeigen, die meist lediglich die Haltung des Embryos kurz vor der Durchtrittsphase der Geburt darstellen, spricht die Schulmedizin von Hyperventilationstetanie, Hyperkapnie usw. und unterdrückt den Prozess mittels Calzium- oder Valiumspritzen. Für jemanden, der sich mit dieser Atemarbeit beschäftigt, handelt es sich dabei um einen Selbstheilungsprozess des Organismus, mit dem dieser eine ursprünglich nicht verarbeitete Engesituation durch nochmaliges bewusstes Durchleben zu überwinden und so zu integrieren sucht. Allerdings bedürfen solche Prozesse einen ausgewiesenen Therapeuten als Begleiter.

Befreiung
Das oft unglaubliche Gefühl von Freiheit nach solch einem Erlebnis, die Möglichkeit (be-)frei(t) durchatmen zu können, die unbeschreibliche Leichtigkeit des Seins lassen jeden Zweifel am tieferen Sinn solcher Erlebnisse schwinden. So kann es eine berauschende existentielle Erfahrung werden, auf den Schwingen der eigenen Lungenflügel zu jenem geflügelten, ja himmlischen Wesen zu werden, das sich seiner eigentlichen Bestimmung nähert.
Darüber hinaus ist die Therapie mit dem verbundenen Atem eine wunderbare und obendrein mit wenig Aufwand verbundene Chance, sein eigenes Geburtstrauma zu klären. Und sie wäre von daher auch die beste denkbare Geburtsvorbereitung und könnte verhindern, dass das Geburtstrauma und die damit zusammenhängende Angst, an kommende Generationen weitergegeben werden. Solange aber die Schulmedizin hier – trotz jahrzehntelanger gegensätzlicher Erfahrungen von einer krankheitsrelevanten Symptomatik ausgeht, werden weder Hebammen noch Gynäkologinnen, noch Schwangere, diese Möglichkeit zu nutzen wagen.

Auch viele Krankheitsbilder im Zusammenhang mit gestörten Atemfunktionen, könnten so Erleichterung und oft sogar ihre Lösung erfahren. Asthmatiker, die in der Regel den Einatem überbetonen und deshalb kaum mehr zum Ausatmen kommen, können im harmonischen Fließen des verbundenen Atems ein Ritual zur Heilung ihrer Einseitigkeit finden. Die zeitlose biblische Weisheit, wonach Geben seliger als Nehmen sei, wird von diesem Krankheitsbild eindrucksvoll demonstriert.
Wie so oft in der Medizin liegt das Erfolgsgeheimnis im homöopathischen Ansatz dieses Weges: die Enge der Angst wird mit dem neuerlichen Durchleben etwa der Geburtsangst und –enge, im übertragenen Sinne homöopathisch therapiert, in dem man versucht, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. So ist der verbundene Atem sowohl Selbstheilungsversuch des Organismus, als auch wichtiges therapeutisches Mittel, um mit energetischen Hindernissen fertig zu werden. Wie wir im Allgemeinen atmen, reicht zum Überleben, Leben aber ist mehr und der verbundene Atem kann so die Tür zu diesem Mehr an Leben öffnen.
Insgesamt ist der Atem eine der einfachsten und wirkungsvollsten Möglichkeiten, sein eigenes volles Potential zu verwirklichen.

Das Copyright des folgenden Beitrages liegt bei Stanislav Grov

Das Holotrope Atmen von Stanislav Grov

Durch die Naturwissenschaften verlor der Atem seine heilige Bedeutung und seine verbindende Funktion von Geist und Seele. Heute entdecken Psychologie und Psychiatrie das Heilungspotential des Atems wieder. Stanislav und Christina Grof haben eine Atemtechnik entwickelt, die sie holotropes Atmen nennen: Mit Hilfe von beschleunigter Atmung und dynamischer Musik werden energetische und emotionale Blockaden gelöst. Im Gegensatz zu anderen therapeutischen Schulen will Stanislaw Grof die teils dramatischen Erlebnisse der Atmenden während einer Sitzung nicht interpretieren: "Nicht der Therapeut ist hier Experte, sondern der Klient."

Über Jahrhunderte hinweg haben verschiedene Kulturen Atemübungen entwickelt, die das Bewußtsein beeinflussen. Die Wirkung dieser Methoden sind teilweise so stark, daß sie in Erfahrungen von Tod und Wiedergeburt gipfeln. Diese tiefen Veränderungen des Bewußtseins werden sowohl über eine Anhebung der Atemfrequenz (Hyperventilation) als auch über ausgedehnte Atempausen erreicht. Aus Indien kommt eine ausgereifte Methode namens Pranayama. Ebenso spezifische Techniken werden im Kundalini Yoga, Siddha Yoga, im tibetischen Vajrayana und bei den Sufis vermittelt. Subtilere Techniken, bei denen die auf die Aufmerksamkeit vor allem auf die Atmung gelenkt wird, finden sich im Soto-Zen-Buddhismus und bei einigen taoistischen und christlichen Praktiken. Auch rituelle Gesänge - etwa die der balinesischen Mönche oder der Inuit-Eskimos - erreichen eine indirekte Beeinflussung von Atemrhythmus und -tiefe

Die Pathologisierung der Hyperventilation
Durch die Naturwissenschaften verlor der Atem seine heilige Bedeutung, und die verbindende Funktion von Geist und Seele wurde aufgehoben. Die moderne Medizin betrachtet Atmung vor allem als wichtige physiologische Funktion.
Bei Atemübungen treten verschiedene physiologische und psychologische Erscheinungen auf, die von der medizinischen Fachwelt pathologisiert werden. Beschleunigte Atmung zum Beispiel wird als "Hyperventilationssyndrom" bezeichnet und nicht als therapeutischer Prozeß mit großem Heilungspotential (an-)erkannt. Spontan auftretende Hyperventilation wird routinemäßig mit Tranquilizern, Calciuminjektionen und anderen Mitteln unterdrückt. Heute entdecken Psychologie und Psychiatrie das Heilungspotential der Atmung wieder und entwickeln entsprechend nutzbare Techniken. In den letzten zwanzig Jahren haben meine Frau Christina und ich eine Therapie entwickelt, die wir holotropes Atmen nennen. In diesem Atemprozeß werden beschleunigte Atmung, dynamische Musik und eine Körpertechnik, die energetische und emotionale Blockaden löst, miteinander kombiniert. Diese Methode vereint verschiedene traditionelle Elemente, östliche Philosophie und westliche Tiefenpsychologie.

Atmung und Psyche
Auf unserer Suche nach effektiven Methoden erkannten wir, daß es ausreichend ist, schneller und effizienter zu atmen und die Konzentration ganz auf den inneren Prozeß zu richten. Statt spezifische Techniken zu betonen, vertrauen wir in der holotropen Atemarbeit dem inneren Wissen des Körpers und seinen Hinweisen. Wir ermutigen Teilnehmer einer Atemsitzung, mit beschleunigter und etwas tieferer Atmung zu beginnen und sowohl die Ein- als auch die Ausatmung ohne Pause kreisförmig zu verbinden. Ist der Prozeß einmal in Gang, finden sie ihren eigenen Rhythmus. Mehrfach haben wir Wilhelm Reichs Beobachtung bestätigen können, daß psychische Widerstände und Abwehrhaltungen mit blockierter Atmung einhergehen. Atmung ist eine autonome Funktion, kann aber willentlich beeinflußt werden. Vorsichtiges Anheben der Atemgeschwindigkeit führt typischerweise zu einer Lösung psychischer Widerstände und bringt sowohl unter- als auch überbewußtes Material hervor.
Musik als Tor zum Unterbewußtsein
Für die holotrope Atemtherapie spielt zur Erzeugung erweiterter Bewußtseinszustände Musik eine große Rolle. Mit dem Wissen um die Wirkung und den richtigen Einsatz von Rhythmus, Gesang und Instrumentalisierung ist es möglich, menschliches Bewußtsein in erwünschter und fast berechenbarer Weise zu beeinflussen. Sorgfältig ausgewählte Musik öffnet die Tür zum Unterbewußtsein, verstärkt und vertieft den therapeutischen Prozeß und bildet einen wichtigen Rahmen, in dem Erfahrungen stattfinden können. Sie mobilisiert Emotionen, die an unterdrückte Erinnerungen geknüpft sind, bringt sie an die Oberfläche und ermöglicht so ihren Ausdruck. Da die Atemsitzungen üblicherweise in Gruppen stattfinden, hat Musik auch die Aufgabe, die durch die Teilnehmer entstehenden Geräusche zu überlagern und sie in eine ästhetische Gestalt einzuflechten.
Bei der holotropen Atemtherapie soll die Musik auch dahingehend unterstützend wirken, daß die Aufmerksamkeit der Atmenden nach innen gerichtet und dort gehalten wird. Es ist ganz wichtig, daß sich der Teilnehmer völlig dem Musik-Fluß hingibt, so daß der ganze Körper damit in Resonanz treten und auf spontane Weise darauf antworten kann. Dabei ist jede intellektuelle Verwicklung über Art oder Qualität hinderlich - es muß also eine Musikauswahl getroffen werden, die von hoher künstlerischer Qualität ist, deren Interpreten wenig bekannt sind und die wenig konkreten Inhalt bietet. Der gesamte Zeitraum einer Session wird in fünf Phasen strukturiert, deren jede eine spezielle Musik benötigt.

Die fünf Phasen im holotropen Atemprozeß
Phase: Eröffnung Die Atemsitzung beginnt mit aktivierender Musik, die dynamisch und emotional erhebend ist. Es ist wichtig, in dieser Phase disharmonische Musik zu vermeiden, die Ängste provozieren könnte.
Phase: Einleitung der Trance In dieser Phase gewinnt die Musik an Intensität, um die Trance einzuleiten. Am besten eignet sich dazu Musik von traditionellen Ritualen verschiedener Kulturen.
Phase: Durchbruch Nach etwa eineinhalb Stunden steuern wir dem Punkt der Entladung in der Atemarbeit entgegen, bei dem wir sogenannte "Durchbruchsmusik" einsetzen. Die mögliche Musikauswahl für diese Phase reicht von "heiliger" Musik über mächtige Orchesterkompositionen bis zu dramatischer Filmmusik.
Phase: Herzmusik In der zweiten Hälfte der Sitzung nimmt die Intensität etwas ab. Es ist Zeit für emotional bewegende Musikstücke, die wir "Herzmusik" nennen.
Phase: Meditation In der letzten Phase zur Ausleitung der Sitzung hat die Musik mehr beruhigenden, zeitlosen Charakter und meditative Qualität.

Hyperventilation
Die Resonanz des Körpers in der holotropen Atemarbeit variiert beträchtlich von Person zu Person. In den meisten Fällen ruft beschleunigte Atmung zuerst mehr oder weniger starke psychosomatische Symptome hervor, im medizinischen Fachjargon als "Hyperventilationssyndrom" bezeichnet. Meist wird darin ein stereotypes Muster physiologischer Reaktionen erwähnt, die sich in erster Linie in Spasmen der Hände und Füße äußern.
Es gibt viele Menschen, bei denen selbst schnelle Atmung über einen längeren Zeitraum nicht zum klassischen Hyperventilationssyndrom führt, sondern zu ausgeprägter Entspannung. Es können sich sexuelle Gefühle oder auch mystische Erfahrungen einstellen. Andere Teilnehmer entwickeln Spannungen in verschiedenen Teilen des Körpers und zeigen keinerlei Spasmen an Händen und Füßen. Bei anhaltend schneller Atmung steuert die Anspannung auf einen Höhepunkt zu, gefolgt von tiefer Entspannung. Dieser Vorgang hat Ähnlichkeit mit einem sexuellen Orgasmus.

Alte Muster freisetzen
Nach wiederholten holotropen Sitzungen kommt es vor, daß sich die Intensivierung der Spannungen in verschiedene Teile des Körpers verlagert. Im Prozeß beschleunigter Atmung über einen längeren Zeitraum hinweg verändert sich die Körperchemie: blockierte körperliche und emotionale Energie wird freigesetzt. Dieser Prozeß ermöglicht, daß vorher unterdrückte Inhalte und Erinnerungen ins Bewußtsein kommen und integriert werden können. Das ist ein Heilungsprozeß, der ermutigt und unterstützt werden will und kein pathologisches Geschehen, das unterdrückt werden soll.

Körpersymptome, die sich während des Atmens in verschiedenen Bereichen des Körpers zeigen, sind nicht einfach nur eine physiologische Reaktion auf Hyperventilation. Sie haben eine komplexe psychosomatische Struktur und gewöhnlich eine bestimmte psychologische Bedeutung für die betreffenden Personen. Manchmal präsentieren sie sich als eine intensivierte Form von Spannungen und Schmerzen, die die Person aus ihrem Alltag kennt. Das können Symptome sein, die bei emotionalem oder physischem Streß auftauchen, wie Müdigkeit, Schwäche durch Krankheit oder nach Gebrauch von Alkohol oder Marihuana. Dabei können auch alte Symptome, die der/die Atmende zum Beispiel als Kleinkind oder während der Pubertät entwickelt hat, reaktiviert werden.

Entladung von Spannung
Spannungen im Körper können auf verschiedene Art gelöst werden. Zum einen durch Katharsis und Ausagieren, zum anderen, indem sich die aufgestaute psychische Energie durch Zittern, Zuckungen, expressive Bewegungen, Husten, Würgen und sogar Erbrechen entlädt.
In einer Katharsis werden vorher blockierte Emotionen durch Schreien oder Stöhnen ausgedrückt. Das sind bekannte Mechanismen in der traditionellen Psychiatrie, über die schon Freud berichtete. Ähnliche Methoden werden in der traditionellen Psychiatrie bei der Behandlung traumatischer Neurosen angewandt sowie auch in den erfahrungsorientierten Psychotherapien wie der Neo-Reichianischen Therapie, der Gestalttherapie und Primärtherapie.

Auch der zweite Mechanismus kann physische und emotionale Spannungen auflösen. Bei holotroper Atemarbeit, Rebirthing und anderen Formen der Therapie, die Atemtechniken verwenden, spielt er eine bedeutende Rolle. In der Psychiatrie und Psychotherapie ist die Anwendung dieses Mechanismus relativ neu. Es geht um den sichtbaren Ausdruck tiefer Spannungen in Form vorübergehender Muskelverkrampfungen verschiedener Stärke: Hält der Organismus diese Muskelspannungen über längere Zeit aufrecht, verbraucht er enorme Energiemengen, die vorher gebunden waren. Die tiefe Entspannung, die auf die vorübergehende Verstärkung alter oder vorher latenter Spannungen folgt, bezeugt die heilende Natur dieses Prozesses.

Lösung von Blockaden - Auflösung von Schmerzen
In vielen Fällen lösen sich schmerzhafte Emotionen und Empfindungen, die während der Sitzungen aus dem Unterbewußtsein aufsteigen, von selbst, und die Teilnehmer beenden sie in einem tiefen meditativen Zustand. In diesem Fall ist keine Intervention des Therapeuten nötig. Die Teilnehmer bleiben in diesem Zustand, bis sie in den normalen Bewußtseinszustand zurückkehren. Nach einem kurzen Gespräch mit den Begleitern haben sie die Möglichkeit, ein Mandala zu malen.

Falls am Ende der Atemsitzung Spannungen oder ungelöste Emotionen zurückbleiben, bieten die therapeutischen Begleiter eine spezielle Körperarbeit an, um die Sitzung zu einem besseren Abschluß zu bringen. Die generelle Strategie dieser Arbeit besteht darin, die Aufmerksamkeit des Teilnehmers auf den problematischen Bereich zu lenken und entsprechende Körperempfindungen zu verstärken. Der Begleiter hilft, die Gefühle mit angemessenen Mitteln zu intensivieren.

Während der Teilnehmer seine Aufmerksamkeit auf das energetische Problem richtet, wird er/sie ermutigt, einen spontanen Ausdruck für diese Situation zu finden. Dieser Ausdruck sollte idealerweise völlig auf dem unbewußten Prozeß beruhen und nicht das Ergebnis einer bewußten Wahl sein. Oft nimmt das eine völlig unerwartete und überraschende Form an - eine Tierstimme, "Zungenreden" in einer fremden Sprache, schamanische Gesänge einer fremden Kultur oder Babysprache. Ähnlich häufig sind unerwartete körperliche Reaktionen, wie heftiges Zittern, Schütteln, Husten und Erbrechen. Diese Arbeit wird fortgesetzt, bis Teilnehmer und Begleiter sich gemeinsam darüber verständigen, daß die Sitzung abgeschlossen ist.

Körperkontakt als korrigierendes Element
Wir nutzen bei unserer Arbeit die Unterstützung durch Körperkontakt. Wir haben dabei beobachtet, daß es zwei fundamental verschiedene Formen von Traumen gibt, die einen diametral entgegengesetzten Behandlungsansatz benötigen. Die eine Form beinhaltet äußere Einflüsse, die einen negativen Eindruck auf die Entwicklung eines Menschen ausgeübt haben, wie körperlicher und sexueller Mißbrauch, Schocksituationen, destruktive Kritik oder Spott. Diese Traumen repräsentieren fremde Elemente im Unterbewußtsein, die ins Bewußtsein geholt, energetisch entladen und aufgelöst werden können.
Die zweite Form zeigt sich als Trauma durch Unterlassung oder Versäumnis - eine Unterscheidung, die in der konventionellen Psychotherapie in dieser Form nicht beachtet wird. Tatsächlich bezieht es den gegenteiligen Mechanismus ein: den Mangel an positiven Erfahrungen, die für die gesunde emotionale Entwicklung wesentlich sind. Säugling und Kleinkind haben starke Grundbedürfnisse nach Triebbefriedigung und Sicherheit. Das schließt auch den Wunsch nach Geborgenheit, Bequemlichkeit und Spielen ein, sowie ganz allgemein das Bedürfnis, im Mittelpunkt menschlicher Aufmerksamkeit zu stehen. Sind diese Bedürfnisse nicht erfüllt worden, hat dies nac haltige Konsequenzen für die Entwicklung des Individuums.

Kontakt und Widerstände
Viele Menschen haben in ihrer Kindheit Liebesentzug, Verzicht und Vernachlässigung erlebt, woraus eine tiefe Frustration hinsichtlich essentieller Bedürfnisse entstanden ist. Ein Weg, diese Art von Trauma zu heilen, ist das Angebot einer korrigierenden Erfahrung in Form von unterstützendem Körperkontakt innerhalb der holotropen Atemarbeit. Abhängig von den entsprechenden Lebensumständen und der vorherigen Vereinbarung zwischen Therapeut und Klient, kann der Therapeut dabei die Hand des Atmenden halten, seine Stirn berühren oder auf Wunsch auch engeren Körperkontakt mit ihm/ihr haben.
Nährender Körperkontakt ist ein sehr wirkungsvoller Weg, um frühe Kindheitstraumen zu heilen. Dazu bedarf es allerdings der strikten Einhaltung ethischer Regeln. Wir erklären den Teilnehmern vorher die Techniken der holotropen Atemarbeit und holen ihr Einverständnis ein, diese Techniken anzuwenden.

Für viele Menschen, die sexuellen Mißbrauch erfahren haben, ist Körperkontakt ein sehr sensibles und heikles Thema, und sehr oft brauchen ihn die am meisten, die den stärksten Widerstand dagegen haben. Manchmal dauert es lange, bevor so ein Mensch das nötige Vertrauen gegenüber dem Therapeuten und der Gruppe aufbringen kann, um Körperkontakt zu akzeptieren und davon zu profitieren. Auch darf unterstützender Körperkontakt ausschließlich dazu benutzt werden, um die Bedürfnisse des Atmenden zu erfüllen. Damit sind nicht nur sexuelle und intime Bedürfnisse gemeint, sondern auch das Bedürfnis, geliebt, geschätzt und gebraucht zu werden und andere, weniger extreme, emotionale Bedürfnisse.

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Im Zusammenhang mit den holotropen Workshops oder Vorträgen wurde mir schon oft die Frage gestellt, ob es therapeutisch angebracht sei, diese Retraumatisierung einzuleiten, da das Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen bekanntermaßen sehr schmerzhaft sein kann. Eine der besten Antworten auf diese Frage fand ich bei dem irischen Psychiater Ivor Browne. Er schreibt in seinem Artikel "Die nicht erlebte Erfahrung" von 1984, daß so eine Retraumatisierung nicht ein genaues Nachspiel oder Wiedererleben der vergangenen traumatischen und körperlichen Ursprungssituation ist, sondern daß wir dabei zum ersten Mal wirklich und bewußt unsere emotionalen und körperlichen Reaktionen erleben, die diese Situation begleitet haben. Auch ist ein erwachsener Mensch, der sich in eine frühe Erinnerung begibt, nicht mehr abhängig und hilflos wie das kleine Kind in der traumatischen Ursprungssituation. Im holotropen Atemprozeß ist es dem Atmenden möglich, traumatische Körperempfindungen und Gefühle aus der Perspektive des Kindes zu erleben und gleichzeitig diese Erfahrung aus der Perspektive des reifen, erwachsenen Ichs zu sehen und zu integrieren.
Ekstatische Erfahrungen zulassen
Wie schon erwähnt, muß holotropes Atmen nicht zu Anspannung oder zu schwierigen Gefühlszuständen führen, sondern kann auch direkt in erlösende Entspannung, in ein Gefühl von Weite, Wohlbehagen und Visionen von Licht münden. Der/die Atmende wird überflutet von Gefühlen der Liebe und mystischer Verbindung zu anderen Menschen, zur Natur, zum unendlichen Kosmos, zu Gott. Oft kommen diese positiven Stadien auch am Ende einer holotropen Sitzung. Es ist überraschend, wie viele Menschen unseres Kulturkreises aus religiösen oder anderen Gründen große Schwierigkeiten haben, sich auf ekstatische Erfahrungen einzulassen. Ausnahmen sind typischerweise die, die "genug" gelitten oder "hart genug" gearbeitet haben - aber manchmal genügt nicht einmal das. Dann reagieren sie mit Schuldgefühlen und/ oder mit der inneren Überzeugung, daß "sie es nicht verdient haben". Ich habe schon oft erlebt, daß Menschen auf positive Erfahrungen mit Mißtrauen reagieren, hinter dem sich unangenehme und schmerzliche Inhalte verbergen. Es ist sehr wichtig, solchen Menschen immer wieder zu versichern, daß positive Erfahrungen extrem heilsam für sie sind. Sie brauchen die Ermutigung, solche Erlebnisse ohne die Einschränkung "einer nichtverdienten Gnade" zu durchleben.
Keine Interpretationen! Im Gegensatz zu anderen therapeutischen Schulen nehmen Therapeuten holotroper Atemtherapie davon Abstand, die Erlebnisse der Teilnehmer zu interpretieren. Ein Grund für diesen Abstand ist, daß die existierenden Atemschulen nicht darin übereinstimmen, was die Funktionsweise der Psyche betrifft. Ein anderer Grund liegt in der Tatsache, daß psychologische Inhalte oft übergeordnet und in ihrer Bedeutung mit mehren Ebenen der Psyche in Zusammenhang stehen. Eine definitive, endgültige Erklärung abzugeben, birgt für den Therapeuten immer die Gefahr, den Prozeß des Klienten einzufrieren oder in den therapeutischen Prozeß vorschnell einzugreifen.

Als produktivere Aternative können Fragen gestellt werden, die helfen, zusätzliche Informationen aus der Perspektive des Klienten zu erhalten, der als Betroffener absoluter Experte ist, was seine/ihre Erfahrungen angeht. Wenn wir Therapeuten hierbei geduldig sind und der Versuchung widerstehen, unsere eigenen Eindrücke mitzuteilen, finden die Teilnehmer oft ihre eigenen Erklärungen, die ihre Erfahrungen am besten widerspiegeln.

Das therapeutische Potential
Während unserer jahrelangen Tätigkeit konnten wir immer wieder beobachten, wie Teilnehmer der Atem-Workshops plötzlich einen "Durchbruch" erlebten: Sie schlossen mit Depressionen ab, konnten sich von irrationalen Gefühlen befreien und veränderten ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl radikal zum Positiven hin. Durch die erhöhte Blutzirkulation und die damit verbundene Lösung bioenergetischer Blockaden heilten auch organische Krankheiten wie chronische Infektionen im Hals- und Nasenbereich, psychosomatische Krankheiten wie Migräne oder psychogenes Asthma komplett.
Das therapeutische Potential holotroper Atemarbeit wurde auch in klinischen Studien von praktizierenden Therapeuten und Ärzten bestätigt, die bei uns ausgebildet wurden und unabhängig davon diese Methode bei ihrer Arbeit anwandten. Wir erhielten im Laufe der Jahre viel Feedback von Menschen, deren emotionale, psychosomatische und körperliche Symptomatik sich nach holotropen Atemsitzungen verbessert hatte oder gar geheilt worden war. Auch waren die gesundheitlichen Verbesserungen meist von Dauer. Ich hoffe, daß die Effizienz dieser Atem-Therapie-Methode in Zukunft noch durch weitere klinische Studien belegt werden kann.

© Stanislav Grov

Literatur und Links

Literatur
RUEDIGER DAHLKE: Die wunderbare Heilkraft des Atmens; Integral (Januar 2000)
RUEDIGER DAHLKE: Von der Weisheit unseres Körpers; Droemer/Knaur (Februar 2007)
RUEDIGER DAHLKE: Das Gesundheitsprogramm. Vital durch Atmung, Bewegung, Ernährung und Entspannung; Goldmann (September 2006)

Links
Infos zur Atemtherapie und diesbezüglichen Ausbildungen: www.dahlke.at
http://www.naturheilmagazin.de/natuerlich-leben/koerper-seele-geist/verbundener-atem.html