Rumi:
"Höre auf die Geschichte der Rohrflöte, wie sie sich über die Trennung beklagt:
Seit ich aus dem Schilf geschnitten wurde, hat meine Klage Mann und Frau zum Weinen gebracht
Ich suche nach einer von der Trennung zerrissenen Brust, der ich meinen Sehnsuchtsschmerz enthüllen kann
Jeder, der weit von seinem Ursprung entfernt ist, sehnt sich danach, wieder mit ihm vereint zu sein."
Der Begriff Esoterik ist nicht einheitlich definiert. Er geht zurück auf Platon, Aristoteles und Pythagoras, die eine "innere Lehre" von der Exoterik, der öffentlichen Lehre unterschieden. Dies war nun keine explizite Geheimlehre, wie oft behauptet, sondern eher einem höhergebildeten Kreis von Kollegen, Lehrern und Gleichgesinnten zugedacht. Inhaltlich ging es hier um philosophische Themenkreise wie Selbsterkenntnis, Sinn, Spiritualität und allgemeingültige Gesetze unter Einbeziehung der Dreiheit von Körper, Seele und Geist.
Das Substantiv taucht als „l‘ésoterisme“ erstmals 1828 in Jacques Matters „Histoire critique du gnosticisme et de son influence“ auf und erhält schließlich um 1870 durch Eliphas Lévi alias Alphonse Louis Constant (früher Abbé, 1810-1875) seine heutige Prägung (HANEGRAAFF 1996: New Age religion and Western culture: esotericism in the mirror of secular thought, Leiden, S. 385f.). Bereits 1799 sprach allerdings Novalis in „Die Christenheit oder Europa“ (zuerst 1826 veröffentlicht) von einer „Esoterisirung der Bibel und der heiligen Gewalt der Concilien und des geistlichen Oberhaupts“ (NOVALIS: „Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs“, Band 3, Stuttgart 1960–1977, S. 512).
Die "Eso-Welle" seit Ende der 60er Jahre hat eine Menge pseudo-esoterische Scharlatanerie hervorgebracht. Darunter leidet das Image einer esoterischen Sicht- und Lebensweise, dadurch werden jedoch die grundsätzlicen Aussagen nicht weniger bedeutsam.
Es fällt uns, die wir seit 200 bis 300 Jahren einem zunehmend rein naturwissenschaftlichen Weltbild zugetan sind, sehr schwer, uns dem esoterischen Weltbild zu nähern. Und so gibt es meist zwei Arten, mit diesem Begriff und einer entsprechenden Lebensweise umzugehen:
Begibt sich jemand auf einen esoterischen Weg, wird er entweder wahrscheinlich versuchen, wie gewohnt hemdsärmelig zu beschließen, nun auch entsprechende Kurse zu absolvieren, sich zu belesen, etwas zu lernen, zu üben und abzuwägen, was er in welcher Zeit absolviert haben muß um dieses oder jenes zu erreichen. Er geht also genauso mit der Welt um, wie bisher: verhaftet an der Welt.
Die andere Art ist eine rein schwärmerische, verklärende und verklärte Umgangsart. Diese Menschen fühlen sich vom Licht, der Liebe und der jenseitigen erleuchteten Seite des Daseins angezogen und versuchen, sich den irdischen und weltlichen Realitäten des Lebens zu entsagen: Weltflucht,
Ideal wäre jedoch wie so oft die ausgewogene Vereinigung beider Pole: Benutzung der Welt um sie zu überwinden.
Die Menschen früherer Kulturen hatten einen anderen Zugang zur Welt. Vor der Ära der Naturwissenschaft waren es Mythen und Märchen, die in eindrucksvollen Bildern die Welt erklärten. Das war nun nicht Unwissenheit und Aberglaube und primitiv! (Glauben Sie ernsthaft, daß Menschen wie Aristoteles oder Paracelsus primitive Geister waren???) Egal wie "primitiv" und "abergläubisch" aus heutiger ("naturwissenschaftlicher") Sicht die Menschen waren: Sie sahen eine eigene Verantwortung für ihr Schicksal. Eine Krankheit z. B. war dann eben die "Strafe" für irgendetwas, was sie selbst "verschuldet" haben. Sie sahen die Welt mit allem, was in ihr wahrnehmbar ist, als Ausdruck und Form des "Göttlichen". Sie versuchten, die Welt zu lesen und über die Welt bzw. mittels der Welt Kontakt aufzunehmen mit dem Schöpfer. Sie versuchten herauszufinden, was es mit ihnen zu tun hat, wenn ihnen ein Schicksal welcher Art auch immer widerfuhr. Heutzutage suchen wir die Verantwortung IMMER im Außen, bei den anderen, bei der Umwelt, den Politikern, der schlimmen Kindheit usw.
Ein esoterischer Weg ist nun eine Art goldene Mitte zwischen Weltflucht und Weltverhaftung: Es geht darum, weder die Esoterik noch die Naturwissenschaft zu verteufeln oder andersherum weder die Esoterik noch die Naturwissenschaft zum Alleingültigen zu postulieren. Nicht: entweder - oder sondern: sowohl als auch sollten möglich sein. Die Erklärung der Welt ist naturwissenschaftlich UND esoterisch möglich, allein die Aussage, es sei NUR naturwissenschaftlich möglich und die Esoterik überholt, macht Probleme, denn es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine EIN-seitige Sicht. Nun kann man das Unerklärliche, das Unaussprechliche, also all das, was die Naturwissenschaft eben NICGHT erklären kann, nicht mit naturwissenschaftlichen Techniken herleiten und zu erklären versuchen. Dafür bedarf es eines anderen Zugangs: Märchen und Mythen. Diese erzählen und beschreiben nun archetypische, das heißt, allen Menschen (auch "ungebildeten" und Kindern) seelisch verständliche Geschichten und Bilder.
Esoterik ist also NICHT Weltflucht durch z. B. Räucherstäbchen, Meditation, Yoga o. ä., "positives Denken" und die Maxime: "Tu nur Gutes und laß das Schlechte!"
Esoterik ist dagegen sehr wohl bewußter Umgang mit sich und seiner Umwelt, also bewußtes Ritual und bewußtes Leben, gern auch mit Hilfe von z. B. Räucherstäbchen, Meditation, Yoga o. ä. und eine Einstellung: "Ich bin einverstanden mit allem was ist, alles auf dieser Welt hat seine Berechtigung allein dadurch, daß es ist, ich schaue auch die mir unangenehmen Dinge des Lebens an." (auch das "Böse/Schlechte" -> die "Schatten"!)
Esoterik ist NICHT Zauberei, Liebestränke, Engelsbilder, Platinpendel oder die Teilnahme an spiritistischen Séancen als Technik zum Erreichen egoistischer weltlicher Ziele.
Esoterik ist Magie (auch unter Nutzung von Utensilien wie Pendeln o. ä.), ist Öffnung für die Frage nach der Bedeutung und dem Sinn all dessen was mir begegnet, ist Entwicklung eines Bewußtseins über meine Beziehung zur Natur, zur Umwelt, meine Fähigkeiten und meine Grenzen.
Esoterik ist die Überwindung der Welt in der wir leben unter Verwendung der Welt! Wer den esoterischen Weg einschlägt, versucht die Welt zu durchschauen mit allem was in ihr ist. Ohne Teile der Welt abzulehnen, weil sie mit einer Wertung belegt in den Schatten verdrängt werden. Esoterik sollte nicht als Alternative zur Naturwissenschaft, sondern als Ergänzung dieser verstanden werden. Nicht: entweder-oder, sondern: sowohl als auch. Erst beide Betrachtungsweisen der Welt führen zu einem echten ganzheitlichen Zugang.
Letztlich ist es egal, WAS ich tue, es kommt darauf an, WIE ich es tue. Bei der Esoterik geht es um dieses WIE.
Eine esoterische Psychotherapie wie die Reinkarnationstherapie arbeitet mit allen Anteilen unseres Seins, nämlich den drei Ebenen Körper (durch den verbundenen Atem zu Beginn der Sitzung), Seele (durch die Bildersprache der Seele während der Sitzung) und Geist (Gespräch vor und nach der Sitzung).
Weiterhin liegen ihr folgende Annahmen zu Grunde:
1. Polaritätsgesetz
2. Umwelt als Spiegel
3. Es gibt feinstoffliche Energie
4. Analogiegesetz (Beitrag ist in Arbeit)